Bremsleitungen

Welche Probleme können auftreten:

Immer wieder wird in verschiedenen Foren diskutiert über den Sinn und Unsinn von Stahlflexbremsleitungen. Die einen schwören auf den besseren Druckpunkt die anderen auf die Verschleißfreiheit und die anderen auf die optischen Gestaltungsmöglichkeiten. Aufgrund der vielen Umbauten die ich in den letzten Jahren durchgeführt habe, kann ich nur an alle Appelieren, tauscht die alten original Leitungen aus, denn das ist Lebensgefährlich!!

 

Für mich ist der Sicherheitsaspekt das wichtigste. Denn normale Serienbremsleitungen aus Gummi sollten spätestens nach 4 - 7 Jahren ausgetauscht werden. Hier bekommt man von den Herstellern verschiedene Empfehlungen.

Ein Defekt an den Leitungen zeigt sich meistens auf drei Arten.

  • Sichtbare Risse in den Leitungen

    Hier empfhielt es sich zu Handeln, da die Leitungen über kurz oder Lang Durchreissen und Undicht werden können
  • Sichtbare Beulen oder Blasen

    Hier ist eine sofortige Stillsetzung des Fahrzeugs und ein schnellstmöglicher Tausch der Leitungen angeraten.
  • Im Inneren verquollene Leitungen

    Das ist die gefährlichtste Art des Defekts, da dieser schleichend Eintritt und nur durch einige Symptome zu erkennen ist.

    Man bremst kaum aber die Bremsscheiben bekommen langsam eine Blaufärbung. Am besten Kontrollieren ob das Rad nach dem Bremsen sofort wieder voll freigägnig ist. Wenn nein kann eine Ursache, neben defekt im Sattel oder festgehenden Belägen auch eine verquollene Bremsleitung sein.

    Im aktuellen Fall war es so das die Bremse des Vorderrades einfach geschlossen blieb. Erst ein Stillstand (ohne erneutes Bremsen) von ca. 3 - 4 Minuten hat dafür gesorgt, das sich der Druck wieder soweit abgebaut hat das das Rad wieder freigängig war.

Wie kommt dieser Effekt zustande?

Die Innere Gummileitung zerlegt sich und es hängen aufgequollene Fetzen der Gummiwandung in den Leitungskanal. Diese wirken ähnlich wie "Venenklappen" im Menschlichen Körper. Wenn Druckaufgebaut wird, legen sich die Fetzten an die Wandung an und die Flüssigkeit kann zum Bremssattel durch und dort dafür sorgen das der Druck die Kolben mit den Belägen an die Bremsscheibe drückt.

Beim lösen der Bremse wird der Druck wieder abgebaut und über das "natürliche Pendeln" der Bremsscheibe werden die Beläge und damit die Kolben des Bremssattels wieder zurückgedrückt. Dazu muss die Flüssigkeit auch wieder aus dem Sattel zurück fliesen können.

Im besagten Fall legten aber die angesprochenen im Inneren der Leitungen hängende "Gummiteile" den Rücklauf wie "Venenklappen" zu und verhindern damit den Druckabbau und Rücklauf der Bremsflüssigkeit ins System. Die Bremse bleibt betätigt.

Nachdem diese Art der Bremsbetätigung nicht ganz abgedichtet ist, verliert das System nach einer gewissen Zeitspanne, abhänging von immeren Zustand der Leitungen, langsam den Druck und die Flüssigkeit kann in das System zurück.

Andere Rückstellkräfte sind so gut wie vernachlässigbar:

  • Ein Vakuumeffekt, durch den Betätigungszylinder ist meiner ansicht nach auszuschließen, da bei Bremsbelagverschleiß aus dem Vorratsbehälter Flüssigkeit in das System nachfließen kann.
  • Rückstellkraft der Gummidichtungen der Bremskolben im Sattel. Ist meines erachtens so minimal, da die Dichtung auf der Lauffläche auch verschoben wird um die Zustellung des Kolbens zu ermöglichen.

 

Hier einige Bilder über defekte Bremsleitungen:

K1200RS Baujahr 2001 ca. 90 000 Km

 

Hier ist die obere Leitung noch in Ordnung, die untere aber komplett zugequollen, das war auch die Ursache für das festgehen und zeitverzögerte Lösen des Vorderrades

Hier sieht man das die Leitung auch schon begonnen hat sich aufzulösen, aber noch Durchgängig ist.

die Leitung vom Lenkkopf zum Verteiler war auch schon relativ zerschlissen.

In der Bremsflüssigkeit des linken Sattels, waren Gummiflusen zu sehen die aus der aufgepollenen Leitung kamen.

 

Wir haben das System dann mit knapp 2 Liter Bremsflüssigkeit gesprült, der anschließende Bremstest mit dem GS 911 stellte sicher das das I ABS wieder sauber funktionierte. Was durch eine abschließende Probefahrt auch bestätigt wurde!